Zwischen Kündigungsaufforderung und Alternativlosigkeit

In den vergangenen Wochen wurde lebhaft über und gegen die Restschuldversicherung (besser wäre immer noch, sie als Restkreditversicherung zu bezeichnen) diskutiert. In der aktuellen IDD-Gesetzgebung scheint es nun zumindest eine Änderung zu geben. Der Kunde soll durch einen erneuten Hinweis auf die Widerrufsmöglichkeit des Vertrags deutlich vor Augen geführt bekommen, dass es sich nicht um einen verpflichtenden Vertrag handelt.

Mehr zur Neuregelung in der IDD finden Sie hier: http://www.asscompact.de/nachrichten/neue-regeln-f%C3%BCr-restschuldversicherungen-bleiben-umstritten

Die Diskussion geht trotzdem weiter. Das zeigen diverse Artikel in der Zeit nachdem die Neuregelung bekannt gegeben wurde.

Neuregelung ist wie eine Kündigungsaufforderung

Dabei handelt es sich mehr als nur um einen ersten Schritt in Richtung Transparenz. Die Verfahrensweise ist einzigartig. Bei keinem anderen Versicherungsprodukt erhält der Kunde eine Information im zeitlichen Abstand zum Abschluss nachgereicht, dass er ein Widerrufsrecht hat. Die Ratenkreditvermittlung ist ein emotionales Geschäft, in dem Notlagen beseitigt und Wünsche erfüllt werden. Der separate Hinweis trifft den Kunden irgendwo zwischen erfolgreicher Wunscherfüllung und potentieller Kaufreue. Selbst wenn im Beratungsgespräch die Notwendigkeit zur Absicherung erkannt wurde – viele Kunden dürften sich dadurch veranlasst sehen, ungeachtet früherer rationaler Erkenntnis den Vertrag zu kündigen und sich das Geld dafür – vermeintlich – zu sparen. Denn wie bei jeder Risikoabsicherung weiß man erst im Nachhinein, ob sie sich gelohnt hat oder nicht. Das heißt aber zugleich, dass die Beratung des Kunden in Bezug auf die persönliche Situation und den Bedarf einer Kreditabsicherung in Zukunft noch wichtiger wird.

Arbeitslosigkeit wird immer vergessen

Denn bei all der – teilweise auch berechtigten – Kritik am Produkt wird ein wichtiger Punkt gerne vergessen: Die „am Markt“ fehlende Absicherungsmöglichkeit gegen Arbeitslosigkeit. Zwar erscheint dieses Risiko momentan als unproblematisch. In Deutschland erwecken zumindest die offiziellen Statistiken diesen Eindruck.

Das täuscht aber über den langfristigen Bedarf hinweg. Über Jahrzehnte hinweg stellt der Verlust des Arbeitsplatzes – und damit der maßgeblichen Einkommensquelle der meisten Haushalthalte – den Hauptgrund für Überschuldung dar. Das zeigen die folgenden Erhebungen:

– 1990 war in Großbritannien Arbeitslosigkeit in 49% der Fälle Risikofaktor Nr. 1 für Überschuldung.

– 31% waren es laut der Banque de France im Jahr 2004 in Frankreich.

– 2005 war in Österreich mit 20% der Einkommensverlust durch Arbeitsplatzverlust der zweithäufigste Grund (Platz 1 belegte die Selbständigkeit).

– Und ganz erstaunlich: Trotz anhaltend positiver Meldungen vom Arbeitsmarkt weisen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamts aus 2015 ganz klar die Arbeitslosigkeit als Hauptgrund für Überschuldung aus. Deutlich vor Trennung/Scheidung und Krankheit. Die gleichen Platzierungen haben über die Zeit hinweg auch die Befragungen von Schuldnerberatern ergeben.

Hauptrisiko des Kreditkunden ist Arbeitslosigkeit

Obwohl der Arbeitsmarkt hierzulande (im historischen genauso wie im gesamteuropäischen Vergleich) sehr gut dasteht und sich über die letzten Jahre hinweg immer mehr verbessert hat: Wenn aus Gründen mangelnder Liquidität Geld geliehen werden muss, sind auch keine Reserven da, wenn der Job wegfällt. Das Risiko in der Hauptzielgruppe des Ratenkredits ist deutlich erhöht.

Es gibt viele Punkte, die an der aktuellen Vertriebspraxis und der Produktgestaltung der Restkreditversicherung kritisiert werden können. Ein Thema löst aber bislang nur die RKV für die Zielgruppe der Kreditkunden: die private Absicherung gegen Arbeitslosigkeit. Sie kann damit ein bedeutendes Problem in der Zielgruppe lösen. Dies muss in der laufenden Diskussion viel mehr herausgestellt werden. Damit Kunden ihren Schutz nicht leichtfertig aufgeben.

Mehr Informationen zur Restkreditversicherung

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Tobias Haff ist Vertriebsexperte und beschäftigt sich seit Jahren mit Nischenfinanzprodukten. Bereits seit 1997 entwickelt er Internet-Projekte mit dem Fokus auf Finanzdienstleistungen. Er hat PROCHECK24, den B2B-Bereich von CHECK24, aufgebaut sowie zahlreiche Produkte und Tools für Finanzvermittler entwickelt. Seit Juni 2016 ist er als COO von massUp für die Entwicklung von Vertriebsprozessen und Produkten verantwortlich. Weitere Informationen finden Sie hier: http://finanzdigital.de/about/

#fundstück: „Warum es Robo Advisor als Versicherungsberater so schwer haben“

„Robo“ ist trendy, zeitgeistig, modern – Prozesse, Abläufe und die ganze Arbeitswelt sollen damit auf den Kopf gestellt werden. Die gesamte Beratung steht dabei genauso im Fokus – von der Medizin über die Juristerei bis hin zu Finanzen- und Versicherungen.

In ihrem Beitrag für das IT-Magazin beschreiben Henning Plagemann und Marco Habschick sehr schön die Fallstricke, die das Thema „Robo“ in der Versicherungsberatung haben wird. Da seit 1994 die Versicherungsbedingungen keiner Inhaltskontrolle durch die Finanzaufsicht unterliegen, gibt es eine kaum überschaubare Vielfalt an Bedingungswerken. Gleichzeitig gilt im Hinblick auf eine fundierte Beratung:

„Ohne ein fundiertes Studium der Bedingungen funktioniert allerdings keine regelkonforme Beratung.“

Dies gewinnt vor dem Hintergrund immer strafferer Anforderungen durch den Gesetzgeber weiter an Bedeutung. Eine scheinbar ideale Ausgangslage also für Robots, die sich durch die Vielfalt der Regeln arbeiten und so Licht ins Dunkel bringen. So einfach ist es aber nicht.

Was bei der Auswahl von Fonds und dem Zusammenstellen von Anlagestrategien noch gut funktionieren mag, stößt im Versicherungsbereich schnell auf Grenzen. Das liegt interessanterweise gerade an der unüberblickbaren Vielfalt und Ausgestaltung der einzelnen Bedingungen. Die zentrale Aussage der Autoren dazu:

„Aufgrund der Semantik der natürlichen Sprache ist die automatisierte Analyse von Verträgen und Bedingungen heute und auf absehbare Zeit nicht möglich – zumindest nicht zu vertretbaren Kosten.“

Die Beurteilung von AVB, auch mit Blick auf das Verhältnis zum Preis für den daraus entstehenden Versicherungsschutz, braucht Erfahrung. Diese muss der Robot erst sammeln. Fraglich ist, ob am Ende überhaupt automatisierte Abwägungen für den Kunden getroffen werden können, die Aussagen mit Blick auf das Zusammenspiel von Qualität (AVB) und Quantität (Preis für die Versicherung) treffen können.

Die Autoren stellen angesichts dessen korrekterweise fest: Der besondere Robo-Mehrwert ist die Unterstützung in der Beratung durch Automatisierung und Analyse von Teilbereichen, in denen klare Regeln ausgemacht werden können. Wird der Berater bei Routine-Tätigkeiten und immer wieder ähnlich auftretenden Vorgängen intelligent entlastet, kann durch eine konsequente Einbindung von „Robo“ in das Vertriebsumfeld die Beratungseffizienz deutlich gesteigert werden.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie hier: https://www.it-finanzmagazin.de/warum-es-robo-advisor-als-versicherungsberater-so-schwer-haben-die-vermittlerrichtlinie-idd-53397/